Die Kunst des Nachgebens


Die Legende über Akiyama Shirobei Yoshitoki
Yoshitoki war Arzt und Meister der Selbstverteidigung. Gemäss der Legende beobachtete er in seinem Garten wie nach einem sehr starken Schneefall die Äste des Kirschbaumes unter der Last der Schneemassen brachen. Die Äste der Weide hingegen gaben dem Druck der Schneemassen nach, bogen sich nach unten und schüttelten so den Schnee ab. Dieses Prinzip (Nachgeben um zu Siegen) nutzte er für sein Selbstverteidigungssystem: Ju-Jitsu – „Die sanfte/nachgebende Kunst“

Dieses Prinzip der Sanftheit und des Nachgebens spiegelt sich auf verschiedenen Ebenen wieder:

Sanftheit:
Im Ju-Jitsu ist man stets bestrebt, einen Angreifer zu kontrollieren, ohne ihn ernsthaft zu verletzen oder ihm unverhältnismässige Schmerzen zuzufügen.

Nachgeben (physisch):
Versucht man den Angriff eines körperlich überlegenen Gegners mit blosser Kraft abzuwehren, so wird das Vorhaben kaum durch Erfolg belohnt. Gibt man aber der Kraft des Gegners nach, so kann man dessen Energie zu seinen  Gunsten nutzen.

Nachgeben (psychisch): 
Hier gilt es nicht einen Gegner zu bezwingen, sondern das eigene Ego. Bei einer Provokation dem „Gegner“ den Rücken zu kehren dürfte, aus Angst für einen Feigling gehalten zu werden, für viele die grösste Hürde sein. Es gilt: Jeder vermiedene Kampf ist ein gewonnener Kampf.

 

Verhalten für die Selbstverteidigung (gemäss den genannten Prinzipien)
zusammengetragen von Hans Hartmann (Schweizer Judo-Pionier, 1905-2002)

  1. Sei nicht anwesend, wo Gewalt zu erwarten ist
  2. Wenn Gewalt entsteht, verlasse den Ort
  3. Wenn Abwehr nötig, schütze dich gemäss dem Prinzip der Angemessenheit mit den sanftesten Mitteln
  4. Nur wenn unvermeidlich, sind die scharfen gefährdenden Techniken anzuwenden
  5. Überschreite nie die gebotene Angemessenheit

 

Lao-Tse
Chinesischer Philosoph (604 v. Chr. – 531 v. Chr.):

Das Weiche besiegt das Harte,
das Schwache triumphiert über das Starke.
Das Geschmeidige ist stets dem Unbeweglichen überlegen.
Das ist das Prinzip der Beherrschung der Dinge,
indem man sich mit ihnen in Einklang bringt,
das Prinzip der Meisterschaft durch Harmonie.